Samstag: Anreise
Nach mehrwöchigen Planungen für die Route und mehrmonatigen Vorbereitungen für den Python-Kurs in Stockholm sind Daniel und ich beide, unabhängig voneinander, am 11. 4. nach Stockholm geflogen.
Die Anreise war, von der grausigen Belastung durch diverse Genusswaren in den Rucksäcken abgesehen, weitestgehend erlebnisfrei, und auch die Vereinigung am Cityterminalen in Stockholm verlief so reibungsfrei, dass man meinen könnte, wir hätten das alles schon einmal geübt. In Stockholm selbst haben wir dann am ersten Abend relativ wenig gemacht – eigentlich nichts, wenn man davon absieht, dass wir die “alla dagar, 8 – 22″-Freiheit genossen haben (Leser meines verstorbenen Schweden-Blogs mögen sich dunkel erinnern). Allerdings wurden auch sofort meine kleinen Reiselautsprecher begutachtet und für den Kauf des Jahres befunden. Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir gefühlte 100 Futurama-Folgen, das Season Finale von Prison Break oder sonstige Gemmen amerikanischer TV-Unterhaltung hätten genießen können, ganz zu schweigen von ein wenig Musik.
Das Zimmer in Stockholm (im Vandrarhem Zinkensdam, mir schon von früheren Schweden-Anreisen bekannt) selbst war groß – man hätte nicht unbedingt erwartet, so etwas in einer “Jugendherberge” vorzufinden, also gaben wir uns angenehm überrascht. Am nächsten Tag nahmen wir dann das Frühstücksbüffet in der uns eigenen Unbefangenheit dem Essen gegenüber wahr (obwohl zwischen uns beiden nach wie vor Uneinheit über die Wichtigkeit des Frühstücks herrscht). Nach einem kleinen Spaziergang quer durch Gamla Stan sprangen wir auf den Zug nach Uppsala, nach einiger Verwirrung über die zu benutzende Rolltreppe im Stockholmer Bahnhof (um das wirklich lustig zu finden, müsste man wohl dabei gewesen sein. Pech, Menschheit!).
Sonntag: Uppsalalalala
Des historischen deutschen Liedgutes zum Überdrusse bewußt, kamen wir in Uppsala an. Viel zu früh, wie sich herausstellte, denn die Herberge (mit einem tollen Zahlenschloss – überhaupt kann man komplett Schweden bereisen, und nie den gleichen Schließmechanismus zweimal treffen) hatte nur zwischen 4 und 7 auf. Das focht uns nicht weiter an, und wir zogen quer durch Uppsala um eine kleine Bestandsaufnahme der Örtlichkeiten zu machen. Alles in allem sehr malerisch und zu Fuß sehr gut zu erschließen. Vom Schlossberg war die Aussicht zu genießen, und wir trafen zum ersten Mal auf ein Vasa-benutztes Schloss, ein weiteres Thema, das uns unsere gesamte Rundreise über begleiten sollte. Auch die Kathedrale war von außen fein anzuschauen, im Inneren war der für protestantische Kirchen doch eher seltene Reliquar etwas verstörend.
In der Herberge angekommen, erklärte uns die Dame den Code für das Zahlenschloss dann eher nach Gefühl (“I don’t know the numbers, just the way my fingers move when I type it in.” – in Schweden muss ein starker selektiver Druck bzgl. Bewegungsgedächtnis herrschen) – in zahllosen Selbstversuchen mit jeweils einem verpeilten Deutschen zu jeder Seite der Tür erwies sich der Code aber als richtig. Nach dem Essen war der Abend selbst dann noch der Rekreation gewidmet, die größtenteils daraus bestand, literweise Tee zu trinken und uns gegenseitig die erklärenden Texte auf dem Bild in unserem Zimmer vorzulesen. Einzige leicht verstörende Begegnung des Abends war der Armenier in der Küche, der, aus österlichen Gründen angereist, uns als Deutsche seiner generellen Sympathie versicherte, gleichzeitig aber eindringlichst vor dem Türken an sich warnte (“like dog”). Kein Gespräch mit Armeniern ohne Völkermord und so schafften wir es, uns, mit Händen, Füßen, Schwedisch und ein wenig Englisch über die wichtigsten Dinge auszutauschen – vor allem über die Hinterhältigkeit der türkischen Nation samt pantomimischer Darstellung eines (Völker)mordes.
Es fehlen:
- Montag: Uppsala, oder: Begegnung mit der Geschichte
- Dienstag: Odyssee I, oder: Der kleine rote Punkt
- Mittwoch: Vadstena, oder: Dawn of Stockholm.py
- Donnerstag: Odyssee II, oder: “Walk into the sun!”
- Freitag: Auf Öland, oder: Tolles Wetter, tolle Landschaft
- Samstag: Kalmar, oder: Letzte Vorbereitungen
- Sonntag: Nach Stockholm, oder: 400 km Lachen für 450 SEK
- Der ganze Rest: Python-Kurs in Stockholm, oder: “Is that humor?”

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2 responses so far ↓
1 schnasel // Mai 4, 2007 at 12:35
Du solltest das dringend als Buch veröffentlichen. Über Schweden sind ja ansonsten nur Klischees bekannt. Deine tiefsinnigen Ausführungen haben mir die Augen geöffnet, dass es mehr gibt als leer protestantische Kirchen und perfekt englisch sprechende Armenier.
2 schnasel // Mai 4, 2007 at 12:36
_leere_ natürlich, Korinthenkacker.
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