Freitag: Öland
Am Freitagmorgen scheuchte uns die Sonne schon zur Unzeit aus dem Bett, es sollte der bisher wärmste Tag unserer Reise werden. Da wir außer einigen Äpfeln über keinerlei Frühstück verfügten, machten wir uns auch sofort nach Mörbylånga. Die „Herbergsmutter” war am Vorabend so freundlich gewesen, uns die Busfahrpläne auszudrucken, und wir waren nicht unglücklich darüber, dass wir unsere hungrigen Mägen nur bis zur Bushaltestelle schleppen mussten.
In Mörbylånga selbst deckten wir uns reichlich mit Essen ein, darunter auch mehreren Arten von Schokokeksen, denen wir zu dieser Zeit komplett verfallen waren. Am malerischen Hafen nahmen wir unser Frühstück ein,
bevor wir auf dem Ölandsleden, mehr oder weniger an der Küste entlang die wenigen Kilometer zur Herberge zurückwanderten. Auf der ganzen Strecke war der Weg dicht gesäumt von leeren Sommerhäusern – wir mutmaßten, dass Öland im August wohl der am dichtesten besiedelte Landstrich in ganz Schweden sein müsse und versuchten uns vorzustellen, welche Panik jedesmal durch den Supermarkt entsteht, der abends tatsächlich nur bis 8 Uhr aufhatte.
Das Wetter an diesem Tag war wunderbar, so als hätte sich der Frühling extra nur für uns bemüht, ein kurzes Gastspiel zu geben.
Kaum ein Wölkchen war am Himmel zu sehen, während wir weiterwanderten und versuchten, möglichst viel Kleidung abzulegen, ohne zufällig Anwesende zu verschrecken. Zwischendurch immer wieder von Hinweisschildern auf dem schmalen Weg gehalten, trafen wir am frühen Nachmittag wieder am Vandrarhem ein.
So schön Wetter und Gegend auch waren, der Pflichtteil der Reise rückte zu diesem Zeitpunkt immer näher, was vor allem in Torsten eine gewisse Unruhe hervorrief. Massenweise Nervennahrung in Form von Tee und Keksen wurde aufgetischt, bevor wir uns den Kopf darüber zerbrachen, welche Aufgaben zu stellen seien und wie der Beispielcode auszusehen habe. Abgesehen von einigen netten älteren Herrschaften war die Herberge verlassen, sodass wir ungestört den großen Esssaal in Beschlag nehmen konnten, ohne von Menschen gestört zu werden, die sich um unsere geistige Verfassung gesorgt hätten.
Über allen Vorbereitungen allerdings hatten wir ein wichtiges Problem nicht vergessen: Ursprünglich hatten wir geplant, bis Sonntag auf Öland zu bleiben, um dann von dort nach Stockholm zu fahren. Allerdings hatten wir unsere Rechnung ohne das Busunternehmen gemacht, denn der erste Bus nach Kalmar fuhr erst gegen ein Uhr nachmittags ab. Wir gingen mit diesem Problem zu den Besitzern, die sich sehr kulant zeigten und uns das bereits gezahlte Geld für die letzte Übernachtung vollständig zurückzahlten – im Gegenzug versprachen wir, in Deutschland nicht mehr benötigte Verwandte für die Nebensaison nach Öland zu verschicken.
Arbeitsreich verging der Tag, und der Abend bestand wieder daraus, Angeber-Alkohol zu trinken und weitere Futurama-Folgen anzuschauen, diesmal mit dem Fokus, möglichst viele interessante Sätze zu sammeln, die man in der nächsten Woche in den Übungen unterbringen könnte („Okay okay, we get the point!”).
Samstag: Kalmar
Nach dem Frühstück machten wir uns auf, den ersten Bus zu erreichen, der doch schon tatsächlich um kurz nach 11 fuhr. Im Bus selbst lag ortsbezogene Lektüre aus. Die Schwedischkenntnisse der Reisegruppe, die leider zu keinem Zeitpunkt ausgereicht haben, heimlich Gespräche mitzulauschen, teilten uns mit, dass Kalmar im letzten Jahr unter einer drückenden Jugendarbeitslosigkeit gelitten habe, meinte man doch, gleich knapp 140 Vertreter im ganzen Landkreis gezählt zu haben. Nostalgisch an die Heimat denkend versuchten wir abzuschätzen, ob man in Gelsenkirchen einen oder sogar vielleicht zwei Häuserblöcke bräuchte, um eine vergleichbare Anzahl von der Gesellschaft Verratener zusammenzukriegen.
Das Hotelzimmer, am Vortag telefonisch reserviert, war erst gegen Nachmittag zu beziehen und so verbrachten wir unsere Zeit erst am Hafen, bevor wir uns aufmachten, trotz der zusätzlichen Belastung durch unsere Rucksäcke noch etwas durch Kalmar zu laufen. Wir ließen uns im Park gegenüber dem Schloss nieder, bis wir, auch diesmal dank des exzellenten Reiseführers, feststellten, dass das Schloss schon am frühen Nachmittag schließen würde.
Von der nackten Angst getrieben, ein kulturelles Highlight zu verpassen, machten wir uns auf den kurzen Weg.
Die Schwedenhorden, die sich rund um das Schloss angelagert hatten, um sich zu sonnen, konnten uns von unserer Mission nicht abbringen, gaben uns aber einen Vorgeschmack darauf, was uns an der SU erwarten würde. Auch das Schloss selbst war zu besichtigen, und so erfuhren wir unter anderem, dass dort im 14. Jahrhundert die Kalmarer Union geschlossen wurde, die kurzzeitig die drei skandinavischen Königreiche unter einem Thron sammeln sollte. Die Union selber hielt nicht sonderlich lange, hatte aber den Effekt, dass Schweden auch heute noch drei Kronen im Wappen hat; und die die schwedische Eishockeynationalmannschaft hat den Namen „Tre Kronor”.
Im Inneren des Schlosses wurde es uns aufgrund der dicken Mauern relativ schnell zu kühl, und so machten wir uns auf den Weg zum Hotel. Dort gab man vor, unsere Reservierung nicht zu haben, bot uns aber souverän ein Viererzimmer zum gleichen Preis an, sodass wir zum ersten Mal beide im oberen Teil des Bettes schlafen konnten und nicht die üblichen Kämpfe austragen mussten. Auch an diesem Abend bereiteten wir den Python-Kurs weiter vor, sodass wir am Ende, von Übungsblättern abgesehen, das Material für Montag und Dienstag komplett hatten.
Es fehlen
- Sonntag: Odyssee III, oder: Linköping, zum dritten.
- Der ganze Rest: Stockholm.py, oder: Meine Patte ist voll, das ist der Knüller!

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