Trondheim: Approximate Continuum Comics
Ein Comic von Lewis Trondheim, über Lewis Trondheim, mit Figuren, wie man sie aus den Herr-Hase-Bänden kennt. Auch die Episoden erinnern zuweilen an die „realistischen” Abenteuer vom guten Herrn Hase (Ganz im Ernst, Liebe und andere Kleinigkeiten, Slaloms, Wie das Leben so spielt). Oft einfach Schilderungen des Alltags, auch wenn das Trondheim-Alter-Ego viel düsterer daherkommt und innere Monologe führt und man fragt sich, warum das trotzdem funktioniert und manchmal auch ganz lustig ist.
Zusätzliche Würze wird dem ganzen dadurch verliehen, dass die realen Entsprechungen der auftretenden Charaktere von Trondheims Projekt wussten und somit durchaus versuchen, ihr Auftreten entsprechend anzupassen. Was dann von Trondheim wieder verarbeitet wird – genau wie die Kommentare der auftretenden Personen am Ende des Buches, inklusive seiner Mutter.
- Titel: Approximate Continuum Comics [↪]
- Autor & Zeicher: Lewis Trondheim
- Verlag: Reprodukt
- Preis: 20€
- Zeichenstil: Ziemlich rechts unten
- Zitat: „1000seitige Telefonbücher […], die zu 95% mit Blödsinn gefüllt sind.” (über japanische Comic-Magazine)
- Empfehlung: Für Trondheim-Fans
Carey/Fabry: Neil Gaiman’s Neverwhere
Neil Gaiman ist gut, und „The Sandman” ist für mich das Kernstück meiner Sammlung überhaupt. Nichtsdestotrotz hat mich seine Belletristik bisher nicht überzeugen können. Immer gut und einfallsreich geschrieben, mit interessanten Charakteren gefüllt, lebt doch alles (inklusive Sandman) das meiste von einer Idee: das die Welt, wie wir sie erleben, nicht alles ist, und Kräfte oder Welten beliebiger Art existieren. Ob alte und junge Götter (American Gods), Magie (Gaiman hat auch am ersten Band der „Books of Magic” mitgewirkt), die Welt der eigenen Phantasie (Mirrormask) oder eben eine Märchenwelt wie in Neverwhere (auf Deutsch als „Niemalsland” erschienen).
Prinzipiell bin ich Adaptionen gegenüber skeptisch eingestellt, die vorliegende funktioniert wohlmöglich dadurch, dass es sehr lange her ist, seit ich Niemalsland gelesen habe. Auch wurden die Figuren visuell souverän und einfallsreich umgesetzt, was aber leider nicht immer über die wirklich überflüssigen Nachlässigkeiten des Zeichners hinwegtäuscht. Kleine Narben tauchen plötzlich auf, ein Klettergurt verschwindet, Speere wechseln magisch von der rechten in die linke Hand. Auch die Anatomie der Figuren wirkt stellenweise mißlungen. Doch die Auftritte von Croup & Vandemar und die abwechslungsreiche Reise entschädigen für vieles.
- Titel: Neil Gaiman’s Neverwhere [ ↪]
- Autor (Adaption): Mike Carey
- Zeichner: Glenn Fabry
- Verlag: DC Comics
- Preis: $19.99
- Zeichenstil: Recht nah an der linken unteren Ecke
- Zitat: „Well, what does anyone want? – Dead things. Extra Teeth.”
- Empfehlung: Eine nette Ergänzung zum Buch
Miller/Mazzucchelli: Batman: Year One
Abgesehen von den Batman-Comics ist mir Frank Miller fremd geblieben. Sin City und 300 sind für meinen Geschmack und lassen Zwischentöne vermissen – das aber meisterlich. Die früheren Batman-Arbeiten gefallen mir deutlich besser; wenn auch nur, weil Batman zu den wenigen Superheldencomics gehört, die ich lese (bzw. lesen würde).
„Year One” verschont den Leser weitestgehend von kostümierten Bösewichtern und konzentriert sich auf Batman als maskierten Kriminalitätsbekämpfer, der verzweifelt einen Verbündeten auf der gesetzestreuen Seite sucht. Insgesamt lesenswert und für einen amerikanischen und DC-Comic erfrischend abstrakt gezeichnet, mit Batman-typischen Selbstzweifeln durchstreut, die das Feuilleton so liebt (bzw. liebte, bis Spiderman auch ein paar Selbstzweifel angewebt wurden).
- Titel: Batman: Year One [↪]
- Autor: Frank Miller
- Zeichner: David Mazzucchelli
- Verlag: DC Comics
- Preis: $14.99
- Zeichenstil: 34, 35, 48, 49
- Zitat: „Lucky amateur.” (Batman über sich selbst.)
- Empfehlung: Frank Millers Batman sollte man gelesen haben, gerne auch als die einzigen Batman-Comics die man kennt.
Blain: Isaak der Pirat, Band 3: Olga
Waren die beiden ersten Bände der Reihe noch leicht und beschwingt über das Abenteuer des Malers Isaak Sofer, so hat der dritte Band eigentlich nur zwei Themen: Den Überfluß an Tod auf der Polarexpidition, und den Mangel an Sex nach der Rückkehr in die Karibik. Die Stimmung ist also notwendigerweise düster, und die Verwirrungen auf der Suche nach Entspannung für zurückgekehrte Seemänner lockern das ganze auch nicht unbedingt auf, sondern lassen den ganzen Band nur noch fremdartiger wirken. Nichts ist übriggeblieben von der frivolen Leichtigkeit der ersten Bände, und der Grund für die Kameradschaft zwischen Isaak und Jacques ist auch nur im zufälligen gemeinsamen Überleben zu finden – zumal letzterer in den vorherigen Bänden noch keine Rolle spielte.
Insgesamt bleibt abzuwarten, wie sich die Geschichte weiterentwickelt. Es scheint fast, als ob der Autor hier radikal die Notbremse gezogen hätte, um die Antarktis-Irrfahrt des Malers abzubrechen, um dann in der Karibik noch ein paar Seiten zu füllen.
- Titel: Isaak der Pirat, Band 3: Olga [↪]
- Autor & Zeichner: Christophe Blain
- Verlag: Reprodukt
- Preis: 12€
- Zeichenstil: 22 – 27 und darüber
- Empfehlung: Als Einzelband nicht.
Willingham/Buckingham: Fables, Band 2: Farm der Tiere
Die Idee für Fables selbst (ganz kurz: Die Märchenwesen werden aus ihrer Welt vertrieben und verstecken sich im modernen New York) könnte von Neil Gaiman sein, und ganz artig verneigt man sich dann auch mit einem kleinen Zitat in Panel Nr. 2. Darüber hinaus würde man sich vielleicht wünschen, dass Gaiman selbst das Skript geschrieben hätte, denn der zweite Band ist recht misslungen: plakative und deplatzierte Literaturzitate, nicht sonderlich geistreiche Witze über Goldilock (die Revoluzzerin) und ihre drei Bären und die recht hastig eingeführte Tatsache, dass Märchenwesen auch irgendwie von der Vorstellungskraft der Menschen leben. Einer der Lichtblicke im Heft ist allerdings die Figur des Fuchses.
Auch schon im ersten Band nervte die inkonsequente Eindeutschung – es leuchtet nicht ein, warum die Märchenwesen nicht einfach ihre deutschen Namen bekommen können, was bei den meisten problemlos möglich wäre. Dafür aber überzeugt Druckqualität und sonstiges Erscheinungsbild. Panini scheint gewillt zu sein, dass DC-Vertigo-Portfolio gut auszunutzen, und dafür allein verdienen sie schon Unterstützung. Ob man diese Unterstützung aber durch den Kauf von Fables-Bänden gewähren sollte, ist mir weiterhin unklar.
- Titel: Fables, Band 2: Die Farm der Tiere [↪]
- Autor: Bill Willingham
- Autor: Mark Buckingham
- Verlag: Panini Comics
- Preis: 14,95€
- Zeichenstil: um die 60
- Empfehlung: Nein
Zu den Zeichenstilangaben
Die Angaben zum Zeichenstil orientieren sich am „Big Triagle” von Scott McCloud. Eine vollständige Darstellung befindet sich in Understanding Comics, Seite 52 und 53.


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2 responses so far ↓
1 schnasel // May 18, 2007 at 09:19
Ehm, sollte man die Bewertungen des Zeichenstils intuitiv verstehen?
2 shlomme // May 18, 2007 at 10:31
Steht doch unten. Kauf dir halt “Understanding Comics”, oder leih es dir von mir aus:)
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