Der Anfang
Am Montagmorgen machten wir uns nach dem Frühstück recht früh zur Universität auf, um uns dort mit Prof. Martin Volk zu treffen, an dessen Institut wir den Python-Kurs geben sollten. Ortskenntnis war noch genügend vorhanden, sodass wir schnell zum Abschnitt des Uni-Gebäudes gelangten, dass für uns für die nächsten Tage zum Wohnzimmer werden sollte.
Zur ausgemachten Zeit trafen wir Martin, der uns erstmal in den Raum ließ. Die erste Sorge löste sich in Luft auf, als nach kurzer Anpassungsphase der Beamer das gewünschte Bild an die Wand warf, das auch in ungefähr, von der Knackigkeit der Farben abgesehen, dem entsprach, was auf Torstens Laptop zu sehen war. Eigentlich waren die Slides mit orangenen Applikationen versehen, auf der Wand wirkte alles eher etwas bräunlich. Für solch ästhetische Feinfühligkeiten war jedoch kein Platz, denn das weit größere Problem stand ja noch aus – unsere Studenten. Nur eines war klar: es würden ungefähr zwischen 10 und 15 Teilnehmer sein, von denen einige Torsten noch von seinem ersten Stockholm-Aufenthalt bekannt waren. Darüber hinaus herrschte bei uns höfliche Unwissenheit.
Pünktlich trudelten die Teilnehmer ein – ein bunt gemischte Gruppe aus Jung und Alt, wobei dies wohl bedeutete, dass wir uns unter dem Alterdurchschnitt der Teilnehmer befanden, auch wenn man alterliche Ausreißer herausrechnet. Martin hielt eine wohlwollende, kurze Einleitung, in der er herausstrich, dass wir (d.h. Daniel und Torsten) uns schon aus der Schule kennen. Wer hätte gedacht, dass das noch einmal eine Rolle spielen würde?
Der erste Fehler
Dann war der große Augenblick da:
das Wasserglas gefüllt, die Blicke der Anwesenden gebannt (oder erstaunt?) auf Torsten gerichtet. Dieser spricht einige Worte des Dankes und Grußes – und vergisst das wichtigste: die Teilnehmer nach ihrer vorherigen Programmiererfahrung zu fragen, und zwar jeden einzeln. Wie sich herausstellen wird, ist der Informationsfluss von Lehrer zu Gelehrtem kein Problem. Die Worte fließen nur so aus Torsten heraus, teilweise wird zaghaft über spontane Witze gelacht. Allein: niemand fragt, niemand gibt etwas zu. Einzelschicksale später.
Unser Tagesablauf
Schematisch sah unser Tagesablauf an allen Kurstagen, abgesehen von Freitag, ungefähr so aus:
- 8:00 Uhr
- Aufstehen, Frühstücken
- 9:30 Uhr
- Ankunft an der Universität, geistige Reinigung für den Kurs
- 10:00 – 12:00 Uhr
- Sprechalarm
- 12:00 – 13:30 Uhr
- Essen (s. Ausführungen zur schwedischen Mittagessenkultur)
- 13:30 – irgendwann
- Betreuung der Übungen im Computerpool
- irgendwann – ugf. 20:00 Uhr
- Nachbereitung und Vorbereitung
- danach
- panische Essenseinnahme und entspannter Ausklang
„Ich hab nur das Licht angekuckt.”
Nach den morgentlichen Vorträgen und den nachmittäglichen Übungen verbrachten
wir den Rest des Tages mit der Bereitstellung der Musterlösungen und der Vorbereitung der Übungszettel für den nächsten Tag. Insgesamt betrachtet war dies immer die anstrengendste Tätigkeit des Tages, die geschätzten vier Stunden Reden, die bis dahin jeweils zu absolvieren waren, erschienen im Vergleich definitiv leichter.
Nun muss man wissen, dass das Hauptgebäude der Stockholmer Universität, in dem wir herumsaßen, Jura, Wirtschaft und die Geisteswissenschaften beherbergt. Nach alter Väter Weise bedeutet das natürlich vor allem eines: viele Studentinnen. So saßen wir dann, konzentrierten uns auf unsere Arbeit, nur um im Stundenrhythmus von Horden vorbeilaufender Schwedinnen abgelenkt zu werden. Die einzigen, die uns allerdings freiwillig angesprochen haben, waren Jungsozialisten, die uns zu einem Vortrag über den Marxismus einluden. Auf Schwedisch, aber immerhin mit kostenlosem Essen. Wir mussten leider ablehnen, da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht damit fertig waren, uns unverschämt viele Aufgaben für den nächsten Tag auszudenken.
Es fehlen
- Das schwedische Mittagessen an sich
- Wiedersehen mit alten Bekannten
- Verschwiegene Kenntnisse
- „Scheiße, ich glaub’ die versteht Deutsch.”

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