Monate-, ja fast jahrelang mussten wir auf das Erscheinen des Schrecksenmeisters warten – in meinem Fall war es noch fast schlimmer, hatte mir doch eine Freundin das Buch zu Weihnachten 2006 schenken wollen. Es hat dann doch noch etwas gedauert. Laut dem „Nachwort der Übersetzers” lag es daran, dass er (Moers) nach der eigentlichen Fertigstellung auf oft geäußerten Leserwunsch hin alle Mythenmetzschen Abschweifungen entfernt hat und dadurch das Buch insgesamt 700 Seiten (!?) kürzer gemacht hat.
Dass dies die ganze Wahrheit nicht ist, merkt man daran, dass die Illustrationen am Ende des Buches auffällig selten werden. Bekommt man am Anfang noch Bilder vom Wurzmännchen, Schmerzenskerzen, alchimistischer Apparaturen samt Leidener Männlein, von Ledermäusen, Schuhus, Schrecksen & Meistern gezeigt, so vermisst man doch am Ende Bilder der Schneeweißen Witwe, des Goldenen Eichhörnchens, der Brautschreckse und des Fettkellers. Auch ein Bild von Eisenstadt hätte man gerne gehabt und die Anatomie von Laufwolf, Roggenmume, Zyklopenmumie und Haselhexe hat man auch nicht unbedingt abrufbar (ein Grund mehr, die noch fehlenden Romane zu meiner Bibliothek hinzuzufügen).
Das Geschichte selbst ist auch gewohnt hohem Niveau, auch wenn der Protagonist am Ende durch mehrere Dei ex machinis gerettet werden muss. Solcherlei Kunststückchen verzeiht man Moers aber allzu gerne, schließlich stiehlt er dem Leser keine Zeit, sondern uterhält ihn aufs Köstlichste. Auch beim Schrecksenmeister kam es vor, dass ich auf den ersten 200 Seiten (die man durchaus am ersten Abend liest) immer wieder und ohne sichtbaren Grund loslachen musste.
Die Stilmittel, die Moers dabei in seinem Buch verwendet, sind dabei alle schon bekannt. Sei es die Platzverschwendung durch Wiederholung immer des gleichen Wortes (man denke nur an das unsterbliche Brummli! in „Ensel und Krete”), Binnenerzählungen, Aufzählungen, die ins Absurde abdriften („Schlangen, Skorpione, Tollwutfüchse, Laubwölfe, Mondscheinschatten” oder „Lanthan, Samarium, Praseodym, Ytterbium, Gelfensilber, Cronosit”) und natürlich die freie Verwendung verschiedener Schrifttypen in Dialog, um bestimmten Wesen einen besonderen touch zu verleihen.
Ein weiterer Kompositionsansatz von Moers ist es, sich in jedem Roman ein Fabelwesen herauszugreifen, dessen Fähigkeiten zu beleuchten und diese für den Roman unverzichtbar zu machen: in „Ensel & Krete” sind es die Fhernhachen, die sich von Zuneigung ernähren, in „Rumo und die Wunder im Dunklen” die schachspielenden Wolpertinger und ihr silberner Faden, in „Die Stadt der träumenden Bücher” die Lindwürmer – und in „Der Schrecksenmeister” die Kratzen und ihre Fähigkeit, mit jeglichem Lebewesen zu sprechen. Das führt natürlich zu absurdesten Gesprächen („Niemand versteht die Ledermäuse!”), und zusammen mit der Schilderung von Sledwaya, der kränksten Stadt Zamoniens zu einem kurzweiligen Lesevergnügen, das, im Gegensatz zur üblichen zamonischen Literatur, natürlich happy endet – ganz wie ein richtiger Prinz-Kalthblut-Roman.

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