I See Dead Code

… as sounding brass, or a tinkling cymbal.

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Der ICE ist mein Wohnzimmer, die Mitfahrer nur Besucher

September 10th, 2007 · No Comments

Quer durch die Republik, mit Zwischenstopps an Baden-Württembergs schönsten Provinzbahnhöfen und dank kaskadierender Verspätungen seit Heilbronn (zum eigentlichen Heilbronn-Event später mehr) doch noch im ICE von Stuttgart nach München.

Diese Fahrt wird wohl auf einige Monate hinaus meine letzte Fahrt nach München sein, aber der ICE-Trasse Stuttgart-München (und ihrer Erweiterung Stuttgart-Köln-Dortmund, die ich auch weiterhin benutzen werde) sei hier ein längst überfälliges Lob gesungen.

Ich habe auf dieser Strecke nicht einmal erlebt, dass andere Wagen als die des ICE-3 (serienmäßig an allen Plätzen Strom, gediegene Möblierung, angenehme Geräuschkulisse) eingesetzt wurden, und ich bin die Strecke im vergangenen Jahr mindestens 26mal gefahren (allein 5 mal in Ruhrgebiet und zurück).

Als Mittelvielfahrer auf den ICE-Strecken gewöhnt man sich gegenüber den Widrigkeiten des Bahnfahrens natürlicherweise eine gewisse Indifferenz an oder versucht, diese so gut wie möglich aufzufangen. Hier einige Tipps (alle für die 2. Klasse):

  • Den besten Platz, den man bekommen kann, ist ein Fensterplatz am Tisch. Bei rechtzeitiger Reservierung (ugf. spätestens eine Woche vorher) ist so ein Platz fast immer zu bekommen. Der Vorteil: man muss während der ganzen Fahrt kein einziges Mal aufstehen, wenn man nicht will, hat mehr Beinfreiheit, Platz zum Ablegen von Büchern, Laptop etc, mehr Aussicht und dazu noch genug Puffer zum Mittelgang.
  • Egal wie sehr die Züge verspätet sind, schlimmer sind immer die Mitreisenden. Auf der Strecke München-Dortmund (bzw. ihrer Umkehrung) sind die schlimmsten Menschenmassen, die am wenigsten Bahnfahren können, immer zwischen Stuttgart und Köln zu erwarten. Die anderen Teilstrecken sind unproblematisch, da spät abends nur sehr spärlich befahren.
  • Gegenüber Mitreisenden immer freundlich darauf bestehen, dass diese ihr Gepäck ins Gepäcknetz tun. Viele bestehen gerne darauf, während ihrer Kurzfahrt (von der sie 75% sowieso stehend verbringen, weil natürlich alle 20min vorm nächsten Halt aufstehen) auf ihrem Gepäck zu sitzen. Die Versicherung, dass man auch am nächsten Bahnhof noch da sei, um ihren Koffer gewordenen Hausstand wieder aus dem Gepäcknetz zu hieven wirkt da meistens Wunder, wahlweise auch unterschwellige Eisigkeit.
  • Kopfhörer. In Kombination mit einem Tisch-/Fensterplatz die Garantie, eine ruhige Fahrt zu verbringen.
  • Platzreservierungen. Man mag meinen, dass man sich wahres Glück nicht kaufen kann, dabei kostet es nur 1,50€ pro Fahrt und Zug. Viele Leute sind nicht in der Lage, die Reservierungsanzeigen über den Plätzen zu entziffern (oder denken, dass „München – Essen” bedeutet, dass man sich dort hinsetzen darf, wenn man den entsprechenden Streckenabschnitt befährt. Verscheucht man sie dann von diesem Platz, trägt man noch zu ihrer Bildung bei. Außerdem sollte man bedenken, dass Bundeswehrsoldaten zwar in allen Zügen bis zum ICE fahren dürfen, aber nur sehr selten Platzreservierungen kaufen. Alternativ einfach weder Freitags noch Sonntags Bahnfahren.
  • Arbeiten. Mit einem Tischplatz hat man das perfekte rollende Büro. Große Teile meines Python-Kurses sind im ICE nach Essen entstanden.
  • Lange Bahnfahrten sind perfekt dazu, Bücher zu lesen die man sonst niemals durchbekäme. „Der erste Kreis der Hölle” hätte ich wohl nie ohne die DB geschafft.

Noch mehr mitfahrerfeindliche Bahntipps („Das Problem am öffentlichen Nahverkehr ist, dass er öffentlich ist.”) gibt es auf Anfrage.

Tags: lang:de · travel

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