Seit dem offiziellen Beginn der Vorlesungszeit fürs Wintersemester ist ja schon einige Zeit verflossen – also Zeit, ein kleines Fazit zu ziehen.
Man muss natürlich sagen, dass das Angebot an Vorlesungen in Saarbrücken groß ist, wenn auch nicht überragend. Es ist zwar irgendwie für jeden was dabei, aber die Warnungen, die mir in Tübingen im letzten Jahr mitgegeben wurde, trifft zu: das Master-Programm ist sehr stark auf Informatiker zugeschnitten, die nicht wissen, wo beim Satz das Verb ist. Ich sehe aber nicht, inwiefern die bisherigen Kurse dazu geeignet wären, einen bescheidenen Linguisten zur maschinellen Sprachverarbeitung zu befähigen. Zwar hat man natürlich immer die Möglichkeit, sich nur mit der theoretischen der Computerlinguistik zu beschäftigen, aber ein paar praktische Kurse wären doch nett. Die Leute, die schon programmieren können, holen sich ihren Praxisfix sowieso mit HiWi-Jobs.
Ohne jetzt Einzelkritik üben zu wollen, kann man sagen, dass die Kernkurse relativ schlecht, die Zusatzkurse relativ gut sind. Die Kernkurse (Foundations of Computational Linguistics und Language Technology I) kranken natürlich daran, dass unabhängig vom Thema immer die Hälfte der Leute gelangweilt sind (wobei die beiden Hälften nicht notwendigerweise disjunkt sind).
Language Technology I könnte eigentlich interessant sein, vor allem, weil alle Dozenten Fachleute auf ihrem Gebiet sind. Das Problem ist aber leider, dass alle Dozenten Fachleute auf ihrem Gebiet sind, und keine Lehrer, dazu noch wirken die Vorträge sehr routiniert („… Condoleeza Rice, National Security Advisor to the President…”). Man hätte sich auch vorstellen können, dass man mit den jeweiligen Systemen (Shallow Parsing, IE, Textzusammenfassung) arbeitet und Aufgabenstellungen lösen muss (Praxis ist hier das Stichwort) – um zu lernen, in Texten alle Personennamen bunt anzumalen, brauch ich nicht morgens um 11 in die Uni zu gehen.
Darüber hinaus bin ich dank intelligenter Kurswahl bin den gleichzeitig uninteressanten & arbeitsintensiven Kursen entkommen. Über die Zusatzkurse (Speech and Pattern Recognition, Computational Models of Discourse und Ontologies and Natural Language Processing) kann ich größtenteils nur positives sagen, und daher lass ich es einfach.


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1 response so far ↓
1 Curieuse // Jun 5, 2008 at 23:18
>Language Technology I könnte eigentlich interessant sein, vor allem, weil alle Dozenten Fachleute auf ihrem Gebiet sind. Das Problem ist aber leider, dass alle Dozenten Fachleute auf ihrem Gebiet sind, und keine Lehrer…
This has been the complaint for the past four years. Three-strikes rule has long been verpasst.
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