I See Dead Code

… as sounding brass, or a tinkling cymbal.

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Ich wurde gekauft.

January 8th, 2008 · 4 Comments

Eigentlich wollte ich ja das neue Jahr mit einem schönen Bild von mir einleiten und dabei auch gleich den Zustand der Nation beklagen, aber das Bild habe ich noch nicht (!!), und das Jahr ist nicht mehr neu.

Nun aber hat die Wirtschaftsrealität sich entschlossen, schneller zu sein als meine Fotografin: mein ehemaliger Arbeitgeber wird von Microsoft gekauft (hier, hier und bestimmt woanders auch noch).

Einer der Pläne bei Microsoft ist jetzt, die Suchtechnologie von FAST in SharePoint zu integrieren – ein Produkt, über das ich so nichts sagen kann, weil wir lieber Confluence benutzt haben. Ich weiß nur, dass sich SharePoint wunderbar in Office, Windows und den Internet Explorer einfügt.

Im Orkus der abgebrochenen Software-Projekte wird jetzt wohl leider auch unser schönes neues Java-Projekt landen, bei dessen Geburt ich kurz beteiligt sein durfte und bei dem ich unter anderem an dem Sprach- und Encoding-Erkenner mitgearbeitet habe.

Nun könnte man an dieser Stelle viel zur Akquisitionstaktik von Microsoft und Google sagen, die vornehmlich daraus besteht, existierende Firmen mit funktionierenden Lösungen aufzukaufen (was dank gewinnfixierter Shareholder recht einfach ist), deren funktionierende Produkte auslaufen zu lassen (siehe Marratech für den pathologischen Fall), um das Know-How in ihre eigenen Produkte zu integrieren. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Firmen nur aufgekauft werden, damit niemand anders sie kaufen kann. Was in den Firmen geschaffen wurde, ist dabei nicht Bestandteil der Debatte. Da diese Taktik aber für sich selbst spricht, unterlasse ich das hier.

Ich wünsche allen Freunden und Kollegen aus dem „Linguistic Applications”-Büro in München alles Gute für die Zukunft!

PS: Eine Liste der Akquisitionen von Google. Microsoft, Yahoo und amazon.com gibt es hier.

Tags: lang:de · work

4 responses so far ↓

  • 1 Johannes Stiehler // Jan 9, 2008 at 09:55

    SharePoint ist sicher nicht die schlechteste Lösung für Dokumentenmanagement und Kollaboration (insbesondere MOSS2007 bzw. WSS 3.0), aber es als Suchlösung zu verkaufen, ist schon gewagt.
    Vielleicht wird durch den Kauf von FAST im Nachhinein zur Wahrheit, was vorher bloß Behauptung war. Allerdings wird noch akuter, was für WSS-Skalierung eh schon der Fall ist: 1 Nutzer, 1 Server, 2 Nutzer, 2 Server …

    Vielleicht wird ja die Java-Lösung 1:1 in C# übertragen?

  • 2 DrNI // Jan 9, 2008 at 22:19

    Möge deren übersinnliches Wesen ihrer Wahl mit ihnen sein.
    Xwaves war übrigens auch so eine Sache, die MS eingekauft und fallen gelassen hat. Heute benutzen alle Praat, aber manche müssen das alte Teil, das auf OpenLook basiert, immer noch verwenden… die Distros sterben weg, auf denen das Ding noch läuft.

  • 3 shlomme // Jan 9, 2008 at 23:46

    @Hanno: Und SharePoint fügt sich in Office und Internet Explorer auch sehr gut ein, da besteht keine Frage, ich habs ja selbst gesehen. Mit FAST drinnen wird der Preis dann noch ein wenig steigen, aber nichts weiter.

    Die Frage ist aber doch, ob es auch eine eigenständige Suchlösung geben wird, für Kunden die eben nicht Intranetsuche und Kollaboration brauchen, sondern eine Suchmaschine für ihre Dienstleistungen: Yellow Pages etc? Denen wird man ja kaum SharePoint verkaufen können – gibt es dann Microsoft ESP?

    @Niels: Das größte Problem hier ist ja noch nicht mal, dass sie die Sachen fallen lassen (klar, einige kleinere Produkte die FAST verkauft hat vielleicht, aber es ist auch nicht um alles schade), sondern dass eben noch mehr aus einer Hand kommt. Microsoft hat SharePoint als Enterprise-Wiki (bzw. das, was Microsoft unter Enterprise-Kollaboration versteht) und Dokumentenmanagmentlösung, ESP als Such- und BI-Lösung. MS SQL Server, IIS, Serverbetriebssysteme, Outlook-Server, Office-Suiten, eigene Programmierplattformen, eigene Programmiersprachen, eigene IDEs. Eigene Multimedia-Codecs, eine Spielkonsole (und die Xbox 360 ist noch nicht gehackt!), ein Betriebssystem für Mediencenter. Einen kompletten POSIX-Layer für Windows.

    Ich hab sowieso die Hälfte vergessen.

    Klar, die sind auch mit genug Sachen gescheitert bzw. scheitern gerade, z. B. ihr eigenes PDF (XPS) und ihr eigenes HTML (Silverlight).

    Gegen die ganze Microsoft-Welt wirkt doch die Java-Sphäre, selbst mit IBM, noch wie Mardi Gras und CSD zusammen auf der Copacabana zur Karnevalszeit.

  • 4 DrNI // Jan 10, 2008 at 16:23

    @Torsten: Hm ja doch indirekt ist es das Problem, dass sie die Sachen fallen lassen. Anstatt selbst bessere Produkte zu bringen (“Konkurrenz belebt das Geschäft”) kauft man einfach auf und stampft ein. Das Resultat ist das von Dir genannte: Alles aus einer Hand. Mit dem Seiteneffekt, dass die Gesetze der Marktwirtschaft ausgehebelt werden und die User sich mit dem Schrott des Monopolisten abgeben müssen. Und wo gehobelt wird, da fallen Späne und Arbeitsplätze…

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