I See Dead Code

… as sounding brass, or a tinkling cymbal.

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All work and no play: Psychonauts

März 14th, 2008 · No Comments

Letzte Woche, nach der erfolgreich bestandenen Prüfung in „Pattern and Speech Recognition”, bin ich der Empfehlung von Zero Punctuation gefolgt und habe mir per Steam (Digital Delivery ist die Zukunft!) über meine arme, kleine Leitung Psychonauts gekauft. Weil die Steam-Preise in US-Dollar sind und der Dollar momentan so unglaublich günstig ist, hab ich mir auch noch Shadowgrounds Survivor und Portal geholt, die sind aber eher als Kurzzeitspiele anzusehen.

Geschichte

Um es kurz zu machen: Man spielt einen psi-begabten Jungen in einem Sommerlager für psi-begabte Kinder, der aus dem Zirkus ausgerissen ist, über dementsprechende akrobatische Fähigkeiten verfügt und auf den schönen Namen Rasputin hört. Das Sommerlager verfügt über so typische Einrichtungen wie Hütten mit Mehrstockbetten, Lagerfeuer, Trampoline, Kanus, eine Tauchkugel und Kammern für sensorische Deprivation.

Man könnte sich also hemmungslos dem Erkunden der liebevoll gestalteten Umgebung, dem Jagen von Schnitzeljagd-Gegenständen und anderen versteckten Gegenständen und dem gelegentlichen Ausflug in die Vorstellungswelten anderer Menschen (das wunderschöne „Basic Braining” wird in der ansonsten brillanten deutschen Übersetzung leider zu „Hirnanfängertraining”) beschäftigen, wenn da nicht ein wahnsinniger Zahnarzt wäre, der im Auftrag einer viel größeren Intelligenz die Hirne der Psi-Kadetten stiehlt.

Was danach beginnt, ist eine Reise durch die Köpfe – von Lehrern, von Wahnsinnigen, Tieren und auch den eigenen. In diesen Welten gilt es dann neben Aufträgen auch wieder eine Menge von Gegenständen zu finden, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern. Die Begriffe emotional baggage, geistige Spinnweben und figments of the mind nehmen dabei dann gerne auch mal physische Formen an. Am Ende steht natürlich die große Versöhnung, und auch die Sommerliebe darf nicht zu kurz kommen.

Ein Feuerwerk der Ideen

Um es kurz zu sagen, es ist fast beschämend, wie verschwenderisch die Entwickler mit Ideen umgegangen sind. Wo andere aus einer halben Idee fünfzehn Spiele machen (Beispiel kann sich jeder selber denken), hat Tim Schafer jede Vorstellungswelt einmalig gemacht. Teilweise sind es normale Orte (ein Theater mit einem übergroßen Kritiker, der mit dem Akzent von Reich-Ranicki spricht, die Kriegserinnerungen eines Veteranen, eine nie-endende Party).

Und dann kommt man an andere Wort und denkt, dass man hier ein komplettes Spiel verbringen könnte. Allein aus der Waterloo-Welt hätte man eine Serie von Baldur’s-Gate-Ausmaßen entwickeln können, und in Japan gibt es bestimmt auch einen Markt für Godzilla-Simulatoren (obwohl die kleinen Lungenfische, deren Stadt man verwüsten darf, dann doch etwas irritierend wären). Auch die Innenwelt eines Paranoikers mit dem beständigen Kampf zwischen Gut (äh… den Regenbogenzwergen) und Böse (der Trenchcoat-Brigade) ist wunderbar gestaltet.

Aber auch die Realität, oder zumindest was davon dargestellt wird, lässt an Absurdität nichts zu wünschen übrig. Die Hüpf- und Kletterpartie durch das etwas andere Irrenhaus hat bei mir allein durch die schiere Vorstellung Höhenangst ausgelöst, und am Ende wartete die kleine Shegor (auch hier bricht das englische Original leider durch) mit ihrer süßen Haustier-Schildkröte.

Ende

Am Ende, aber wo ist es anders, wirkt dann alles etwas gehetzt. Allein die Sequenz, in der man ganz Hirn ist, hätte etwas länger sein können. Die Bosskämpfe am Ende beschränken sich darauf, dass man gesagt bekommt, wo die einzige Schwachstelle des jeweiligen Gegners ist, damit man diese dann dreimal hintereinander ausnutzen kann, und die Kletterpartie im Zirkus ist BRUTAL schwer in einem Maße, der den Kampf am Ende von Half-Life, in den man vom G-Man geschickt wird wenn man sein Angebot ablehnt, fast schon wieder fair erscheint. Die schöne Endsequenz versöhnt dann aber wieder.

Fazit

Psychonauts ist extrem ideenreich, und absurd komisch. Die Level laden zum Erkunden ein, was auch immer belohnt wird. Oft gibt es mehrere Möglichkeiten, ein gegebenes Problem zu lösen. Die Geschichte wird gut vorangetrieben, es gibt viele vorgerenderte und In-game-cutscenes, die Charaktere sind liebevoll gestaltet, überhaupt alles stimmt. Alleiniger Wermutstropfen ist, dass das Spiel seine Geburt auf der Konsole nicht ganz verleugnen kann und die Steuerung am PC dementsprechend furchtbar ist (in einem Deus Ex: Invisible War-Sinne furchtbar). Wenn man also etwas Plattformherumspringen mag und auch einer schön erzählten Geschichte nicht abgeneigt ist, dann gibt es, wie Yahtzee schon sagt, keine Grund, das Spiel nicht zu spielen – zumal der Preis von $19,95 wirklich nicht zu hoch ist und es das Spiel für alle Plattformen außer der Wii gibt.

Tags: games · lang:de · review

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